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Letztes Update: 13.04.2009
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Da³wa unter Muslimen


Jetzt komme ich zur „Da'wa" unter Muslimen. Wenn ich von jemandem höre, dass er Muhammad oder Munir, dass sie Amina oder Fatima heißt, dann kann ich eigentlich davon ausgehen, dass der/die Betreffende Muslim oder Muslima ist und den Islam auch tatsächlich praktiziert. Und dann müsste ich mich mit ihnen an und für sich auch über den Islam unterhalten können. Und doch kommt es immer wieder vor, dass ich einen Muhammad oder eine Fatima bei etwas antreffe, was mit dem Islam eigentlich nicht zu vereinbaren ist.

Soll ich mich nun auf die Betreffenden stürzen und ihnen klarzumachen versuchen, dass sie sich da mit etwas ganz und gar Unislamischem befassen? Dann stufen sie mich vermutlich sofort als Fanatikerin oder Fundamenta

listin ein und gehen mir so geschickt wie möglich aus dem Weg. Aber tatenlos zuschauen - das kann ich doch erst recht nicht...

Als gebürtige Deutsche und ursprüngliche Nichtmuslima habe ich ja schon ziemlich zu kämpfen, damit mich aus einem Muslimland stammende Muslime überhaupt für voll nehmen. Irgendwie kommt meist doch durch, dass sie ein bisschen mitleidig auf einen herabschauen und natürlich meinem, nichts von solchen Leuten übernehmen zu können - die ja an sich keine rechte Ahnung haben.

Aber ganz so einfach ist die Geschichte auch wieder nicht. Denn ob ich -willentlich und oft erst in fortgeschrittenen Jahren - aus vollem Herzen ja sage zum Islam, oder durch Geburt in ein bestimmtes Elternhaus den Islam bereits in die Wiege gelegt bekomme, macht doch einen gewaltigen Unterschied. Ich weiß dann nämlich, wie schlimm es mir in mancher Hinsicht ohne den Islam gegangen ist. Ein Gewohnheitsmuslim dagegen empfindet oft die ihm abverlangte Einhaltung bestimmter Pflichten wie das Fasten im Ramadan oder das tägliche Gebet als Einengung seiner Freiheit Er oder sie mag sich danach sehnen, frühmorgens gemütlich im Bett liegen bleiben zu dürfen, anstatt sich damit zu trösten, dass das Gebet besser ist als Schlaf. Und Dinge, mit denen solche Muslime in ihrer Heimat kaum in Berührung gekommen wären, werden ihnen hierzulande als Selbstverständlichkeit präsentiert und es fällt ihnen dann nicht leicht, immer nein sagen zu müssen. Sie wollen vielleicht dazugehören zu einer Gruppe von Nichtmuslimen an ihrem Arbeitsplatz, alles unbeschwert mitmachen und es kommt ihnen dann wie eine unerträgliche Last vor, wenn von ihnen erwartet wird, sich stets daran zu erinnern, dass sie Muslime sind und auf dies oder jenes freiwillig zu verzichten.

In meiner Begeisterung für den Islam neige ich dazu, alles nur rosig zu sehen und in der Unterhaltung alle Schwierigkeiten hinwegerklären zu wollen.

Im Laufe einer solchen Unterhaltung, gerade wenn sie unter Muslimen unterschiedlicher Herkunft stattfindet, leistet aber doch jeder Gesprächsteilnehmer seinen Kulturbeitrag, den er aus seinem Heimatland mitbringt. Dadurch lernen wir einander besser kennen und festigen unser Gemeinschaftsgefühl. Und wir schärfen dabei unsere Intelligenz, bereichern unser Wissen, sammeln nützliche Informationen. Ich habe in den ersten Jahren als neue Muslima sehr viel Bereicherung empfangen durch meinen Kontakt zu meinen Glaubensgeschwistern. Damals gab es ja noch fast keine Literatur in deutscher Sprache über den Islam, ich hatte beispielsweise keine Ahnung über Bekleidungsvorschriften für Frauen. Ich betete ohne Kopftuch, vor dem Schlafengehen im kurzen Nachthemd und es ist dem Taktgefühl einer muslimischen Freundin zu verdanken, die, statt mich auszulachen, als sie mich so eines Tages erwischte, liebevoll und ganz allmählich mein Verständnis dafür weckte, was sich für eine Muslime schickt und was nicht. Schon dem Propheten(s) wurde aufgetragen: „Ermahne also;gewiss, Ermahnung ist nützlich. "Oder: „So ermahne, wenn die Ermahnung nützt" (87:9) Die wohl unvergesslichste Form der Da'wa erlebte ich, als ich schon fast 20 Jahre Muslima war. Man hatte mich damals nach Südafrika eingeladen zu einer Vortragsreise durch das ganze Land. Da sollte ich also Da 'wa machen unter jungen muslimischen Mädchen. Zu jener Zeit, Ende der 70er Jahre, herrschte dort noch strengste Rassentrennung zwischen den Blackies, den Brownies und den Weißen. Es waren die Brownies, das heißt hauptsächlich Inder und Malayen, die mich eingeladen hatten. Unter den Brownies gab es zu etwa 50 Prozent Hindus und Muslime. Die Muslim Boys wagten es natürlich nicht, muslimische Mädchen auch mal zu einem Eis einzuladen oder sie zu einem abendlichen Bummel aufzufordern. Die Hindu Boys dagegen sehr wohl und vermutlich auch nicht immer erfolglos. Also sollte ich darüber sprechen, welches Unheil entsteht, wenn sich ein muslimisches Mädchen mit einem andersgläubigen Jungen einlässt.

Am Ende der Rundreise gab es eine Muslim Youth Convention, ein Treffen junger Muslime aus dem ganzen Land, zu der auch Dr. Jamal Badawi aus Kanada angereist kam. Nachmittags spazierte ich von einem Vortragszelt zum anderen und begegnete einer Gruppe von jungen Mädchen, die in ihrer Mitte eine Frau von vielleicht Mitte 50 führten. Diese Frau litt unter einer unbeschreiblichen Entstellung ihrer Gesichtszüge. Aber sie hatte wunderbar leuchtende Augen. Die Mädchen erzählten mir, dies sei ihre liebste und beste „auntie", Tante, und die Frau fügte in schlichten Worten hinzu: „Ich weiß, dass ich nur noch ganz kurze Zeit zu leben habe. Aber dass mir mein Arzt erlaubt hat, diese Tage hier mit Euch allen zu verbringen, ist das schönste Geschenk, das ich mir wünschen konnte. Danach werde ich gerne und dankbar zu Allah zurückkehren..."

Was muss diese Frau den jungen Mädchen gegeben haben, als sie noch gesund war, dass sie nun in solcher Liebe an ihr hingen! Und welche Hilfe muss es den Mädchen auf ihrem weiteren Lebensweg gewesen sein, einen Menschen gekannt zu haben, der so voll Vertrauen die letzten Schritte hier auf Erden in Richtung auf seinen Schöpfer tat.

Was ich damit sagen will ist, dass die beste Da 'wa meiner Meinung nach der vorgelebte Islam, nicht der erhobene Zeigefinger ist. Auf den reagiert ein erwachsener Muslim meist recht allergisch.

Auf demselben Jugendtreff geschah noch etwas Merkwürdiges. Aus irgend einem der Schlafräume verschwand eine vermutlich recht teure Lederjacke. Das Mädchen, dem sie gehört hatte, war recht verzweifelt und bat mich um Hilfe. Ich glaube sie fürchtete sich, ihren Eltern von dem Verlust zu erzählen. Am Ende meines Vertrags sprach ich deshalb über das Vorkommnis und endete mit den Worten: Wenn sie jemand genommen hat, der friert und die Jacke dringend braucht, dann wird Allah in Seiner Barmherzigkeit es schon wissen. Aber wenn sie jemand genommen hat, nur weil es so eine schöne Jacke war, dann wäre es sehr gut, wenn sie an ihre Besitzerin zurückgegeben würde." Und was soll ich sagen - die Jacke tauchte tatsächlich wieder auf. Ich glaube, die rund 1000 Besucher des Treffens werden sich auch bis heute daran erinnern, dass Reue Wunder bewirken kann.

Ich habe mir heute eigens keinen zu langen Vortrag vorgenommen, weil ich gerne möchte, dass wir uns gegenseitig noch ähnliche Erlebnisse mitteilen.

Was ich hier geschildert habe, verstehe ich unter praktischer Da'wa. Wenn wir in irgend eine Situation geraten, aus der wir nur schwerlich einen Ausweg sehen zeigt uns Allah dann ganz deutlich, dass Er mit uns ist, sofern wir Ihn nur um Seine Hilfe bitten.

Deshalb sind meine beiden Anliegen, wenn ich mich mit Muslimen unterhalte, dass ich z.B. einen nicht regelmäßig betenden Bruder bzw. eine Schwester in ähnlicher Lage zu überzeugen versuche, dass Gebet der Schlüssel zum seelischen Gleichgewicht ist. Wenn man nur die ständige Zwiesprache mit Allah nicht abreißen lässt, überrascht Er einen immer wieder durch Seine Gnadenerweise. Und das beflügelt dann so, dass man begreift: ich bete weder für Allah noch für meine Eltern noch für sonst jemanden -ich bete für mich, weil es mir gut tut und hilft, in dieser Zeit zurechtzukommen.

Mein zweites Anliegen ist, meinen Geschwistern klarzumachen, wie wichtig es ist, dass sie ihren Quran nicht nur ganz sporadisch mal zur Hand nehmen, sondern jeden Tag - wenn auch nur ein paar Minuten - für diesen Zweck abzwacken. Zum einen entsteht dadurch eine Vertrautheit - sie kennen ihn, den Quran, wie ihre Söhne heißt es doch - und zum anderen tankt man Kraft, Freude und Vertrauen auf, die einen durch den ganzen Tag tragen. Wir alle haben unser heiliges Buch ja nicht gleich von Anfang an in jeder Hinsicht verstanden. Aber wir haben uns nicht davon abbringen lassen, kontinuierlich darin weiterzulesen und allmählich, von Tag zu Tag, ist uns diese Zeit der Lektüre so lieb und teuer geworden, dass uns richtig was gefehlt hat, wenn wir es mal nicht zur gewohnten Zeit, nämlich meist nach dem Frühgebet, sagen wir mal drei oder fünf Verse, geschafft haben. Probiert es bitte aus - nicht die Menge der Verse macht es, werdet ihr bald merken. Im Gegenteil, ein Vers richtig tief drinnen in uns aufgenommen, ist meist ein größeres Geschenk als eine ganze Sure.

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